Die Welt per Fahrrad entdecken – Interview mit Frank aus Thüringen

Ein Traum! Frank Marschler aus Stadtroda bei Jena hat sich ein halbes Jahr Auszeit genommen und ist mit dem Fahrrad durch Neuseeland unterwegs. Wir erreichen ihn in der Hafenstadt Picton. Nach zwei Monaten auf der Südinsel geht es von dort weiter auf die Nordinsel Neuseelands. Vor dieser Tour hatte er als Amateur regelmäßig bei MTB- und Straßenradrennen mitgemischt und mit MyGoal trainiert.

Frank in Neuseeland
Hat sich einen Traum erfüllt: Frank fährt mit dem Fahrrad einmal quer durch Neuseeland. Foto: privat

Hallo Frank, an welchem Ende der Welt sprechen wir dich?

Hi Anke und Mathias. Danke für die Einladung zum Interview. Zur Zeit befinde ich mich tatsächlich am andern Ende der Welt. Das Paradies indem ich mich seit dem 24. Dezember befinde, heißt Neuseeland. Es ist so unglaublich schön hier, dass ich manchmal gar nicht richtig vom Fleck komme, weil ich überall anhalte und direkt bleiben will.

Abgeschiedenheit und Stille mitten im Nirgendwo

Gib uns zum Einstieg mal etwas Statistik. Wie viele Radkilometer in wie vielen Ländern hast du in den letzten 12 Monaten zurückgelegt?

Wenn ich mich jetzt nicht verzählt habe, war ich innerhalb eines Jahres in 17 Ländern unterwegs.  Dabei sind um die 20.000 Kilometer auf den Bikes zusammen gekommen. Mit meinem neuen Reiserad sind es bisher etwa 13.000. Die restlichen Kilometer bin ich mit Rennrad oder Mountainbike gefahren.

Frank Porträt
Frank unterwegs auf dem Rad. Foto: privat

Zähl ruhig mal auf! 

Tschechien, Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, Griechenland, Schweiz, Italien, Frankreich, Holland, Polen, Belgien, Brasilien, Süd-Korea, Neuseeland. Wobei, ausschließlich mit dem Fahrrad bereist habe ich die Länder Osteuropas, Neuseeland, die Schweiz, Österreich und Frankreich, wobei die letzten drei jedes Jahr aufs Neue unter die Räder genommen werden. Die Alpen sind ganz einfach meine Lieblings-Urlaubsregion.

Erzähl uns von deinem größten Abenteuer unterwegs.

Mein größtes Abenteuer ist bis jetzt ganz klar jenes, in dem ich gerade bis zum Hals drin stecke – die Reise by Bike durch Neuseeland. Am Morgen nicht zu wissen wo man abends sein Zelt aufschlagen wird, und das über Monate hinweg, macht dabei den größten Reiz dieser Unternehmung aus. Die ständig wechselnde Landschaft, die teilweise Abgeschiedenheit und Stille mitten im Nirgendwo – das ist es, was diese Reise bisher so einzigartig macht. Welches Datum bzw. welcher Tag ist, weiß ich schon gar nicht mehr. Das spielt auch keine Rolle. Es zählt lediglich, wenn es morgens hell wird, ist Zeit zum Aufstehen und wenn es dunkel wird, ist Zeit zum Schlafen gehen. Dazwischen geht es darum, den Weg, beziehungsweise die Fahrt zu genießen, seinen unbändigen Hunger zu stillen und genügend Wasser zu haben. Kurz gesagt: Es geht nur um das Wesentliche im Leben.

Es heißt, man kann sich kaum verfahren in Neuseeland, weil der weiteste Weg zur Küste selten mehr als 60 Kilometer ist.

Es stimmt wirklich. Das Straßennetz hier auf der Südinsel ist so überschaubar, dass ich mein garmin Navi eigentlich fast nur zur Aufzeichnung der Strecken benutze. Das wird auf der Nordinsel anders, weil dort mehr Verkehr ist und es gilt, weitestgehend Nebenstraßen zu benutzen.

Am Mt. Cook
Am Mount Cook in Neuseeland mit Blick auf den Gletscher. Foto: privat

Außer Radfahren hast du noch ein anderes Hobby. Du bist Freizeit-Imker. Was macht dein Volk jetzt ohne dich?

Meine Bienen werden derzeit von meiner Schwägerin und meiner Mutter versorgt. Das ist sehr wichtig denn anders als  Katzen zum Beispiel kann man Bienen nicht einfach ins Heim geben oder dem Nachbar anvertrauen. Bienen verlangen viel Wissen. Und wenn ich Ende Juni zurück komme, lacht mich hoffentlich der erste Honig, fürsorglich in Gläser abgefüllt, an.

Die Strecke plane ich so, dass ich ungefähr weiß, was auf mich zukommt aber lasse mir Reserven.

2015 bist du mit dem Fahrrad von deiner Heimat Thüringen nach Griechenland gefahren. Das ist, wenn man so will, die Balkanroute und wir fürchten, schon dieses Jahr wäre das gar nicht mehr so einfach…

Ja, das ist richtig. Schon während meiner Balkan Reise fing es langsam an zu brodeln, stellte aber kein Problem für mich dar, da ich weiter westlich als die Flüchtlingsroute unterwegs war.

2.500 Kilometer die heute ganz andere Assoziationen wecken – wie denkst du darüber?

Ich denke, dass die Medien das Thema extrem hypen. Wer nur den Fernseher benutzt, um in die Welt hinaus zu schauen, der lässt sich davon vielleicht verrückt machen. Klar sind es mit einem Schlag zu viele Menschen gewesen, als das unsere langsam mahlende Bürokratie da hinterher gekommen wäre. Aber deshalb sind es doch alles Menschen, die nicht ohne Grund ihre Heimat verlassen. Als ich durch den Balkan gefahren bin, habe ich die zerschossenen Gebäude gesehen aus den Kriegen dort, die teilweise schon wieder über 20 Jahre her sind. Dort herrschen wirklich Armut und Perspektivlosigkeit. Wer, wenn er die Möglichkeit hat, würde da nicht lieber in ein anderes Land mit besseren Chancen wechseln?

lediglich Hin- und Rückflug gebucht

Kopfschütteln für das, was gerade zu Hause lost ist? 

Ja. Ich habe dazu letztens eine schöne Karikatur gesehen: Ein Mann steht auf einer Demo mit einem Schild in der Hand auf dem steht: Die Flüchtlinge nehmen uns die Arbeit weg. Und sein kleiner Sohn schaut ihn verdutzt an und fragt: „Papa, seit wann willst du arbeiten?“ – So, genug Politik. Weiter mit Sport.

Wie organisierst du deine Reisen?

Bevor es auf Reisen geht, gibt es natürlich einiges zu planen. Da ich berufstätig bin, gilt es das Terminliche zu allererst mit dem Arbeitgeber abzuklären. Im Fall meiner sechsmonatigen Neuseelandreise habe ich über ein Jahr vorher angefragt und schließlich das Go bekommen. Dann ist der finanzielle Aspekt ganz genau zu durchleuchten: Was kosten Flüge, Zug, Fähren, welches Tagesbudget habe ich zur Verfügung, welches Material brauche ich, angefangen vom Bike bis zur Camping-Ausrüstung. Die Strecke plane ich so, dass ich ungefähr weiß, was auf mich zukommt aber lasse mir Reserven. Nicht zu vergessen sind natürlich auch bürokratische Angelegenheiten wie Visum, Auslandskrankenversicherung, Minimierung der monatlichen Fixkosten zu Hause, wie Strom, Handy, DSL, BU, Rente, Vollmacht ausstellen und so weiter. Alles was erledigt bzw organisiert werden muss, schreibe ich auf und arbeite es sukzessive ab. Dadurch kann ich mir am Ende ziemlich sicher sein, nichts zu vergessen. Die Reise selbst wird dann umso entspannter.

Wie machst du das mit den Unterkünften?

Für meine Neuseelandreise habe ich lediglich Hin- und Rückflug gebucht. Alles andere entwickelt sich unterwegs. Das geht natürlich nur mit ordentlich Zeit. Auf der Balkan Tour wiederum, war es mehr eine Challenge. Da galt es so schnell wie möglich nach Griechenland zu kommen, da ich für Hin- und Rückfahrt nur 30 Tage Zeit hatte. Dort bin ich schließlich 3.200 km in 26 Tagen gefahren. Dagegen ist Neuseeland mit derzeit 4.800 km in 68 Tagen ein wahrer Urlaub.

zwei Jahre in denen ich viel über Training und vor allem über meinen Körper gelernt habe

Wir haben dich als ambitionierten Radsportler kennengelernt, der anfangs seiner Trainerin nicht recht glauben wollte, dass das im Plan so richtig ist…

Ja, das stimmt. Die Trainingspläne von Anke erschienen mir anfangs wahrlich etwas gemütlich und nicht auslastend genug. Immer wieder habe ich nachgefragt, ob ich nicht hier und da noch etwas mehr machen könne.

Musste Anke dich sehr bremsen?

Naja, Stück für Stück habe ich dann selbst realisiert, dass der Schlüssel zum Erfolg nicht primär in der Quantität sondern vielmehr in der Qualität der einzelnen Trainingseinheiten liegt. Im Nachhinein betrachtet, bin ich in der Zeit davor nur herum gegondelt. Mit euren Trainingsplänen ging es hingegen stets darum Reize zu setzen und diese durch ausreichend Regeneration wirken zu lassen. Der Drang nach zusätzlichen Einheiten hat sich durch ein sehr intensives Training bei Zeiten auch verflüchtigt.

Es sind dann zwei Jahre geworden, in denen wir dich begleiten durften. Warum glaubst du, dass sich das gelohnt hat?

Ja, das ist richtig. Es wurden zwei Jahre in denen ich viel über Training und vor allem über meinen Körper gelernt habe. Ich habe gelernt, dass weniger tatsächlich mehr ist, vor allem in unserer „Hobbysportler-Liga“ wo es bei allem Ehrgeiz doch primär um den Spass und die Freude am Sport gehen soll. Ich habe auch gelernt mehr auf meinen Körper zu hören und im Zweifel lieber eine Einheit wegzulassen als aus Müdigkeit oder gar Krankheit heraus nur halbherzig oder mit halber Kraft zu trainieren.

Auf welche Erfolge bist du besonders stolz?  

Erfolge sind für mich nicht zwingend mit guten Platzierungen verbunden. Erfolge sind für mich zum Beispiel, wenn ich in einem Wettkampf alles was ich habe, geben konnte und mir die Kraft so gut eingeteilt habe, dass bis zum Schluss Druck auf dem Pedal war. Dieses Erlebnis hatte ich zum Beispiel beim Ötztaler Rad-Marathon, den ich einmal mit etwa 8:24 h gefinisht habe und damit sogar unter die Top 100 von 4.000 Teilnehmern gekommen bin. Gänsehaut hatte ich aber auch, als ich nach 2.600 km die Grenze zu Griechenland überquert hatte oder als ich zusammen mit einem Freund von früh 2 Uhr bis abends 20 Uhr  unseren Hausberg, die Leuchtenburg, 159 Höhenmeter, 58 Mal rauf und runter gefahren bin, um die Höhe des Mt. Everest (8.848 m) zu erreichen. Solche Aktionen und Ergebnisse zeigen mir immer wozu der menschliche Körper fähig ist. Die natürlichen Grenzen Stück für Stück zu verschieben – das macht für mich den Reiz des Ausdauersports aus.

Camping in Neuseeland
Dinner for one – Camping unterwegs in Neuseeland. Foto: privat

Dann kam der Entschluss: Reisen statt Rennen. Welche Ziele stehen als nächste auf deiner Liste?

Um ehrlich zu sein, habe ich keine genauen Pläne für die Zeit nach Neuseeland. Ich möchte mich voll und ganz auf das hier und jetzt konzentrieren, ehe ich die nächste Aktion plane. Eines ist aber gewiss: Unsere Welt hat soviel schöne Länder die noch zu bereisen oder Dinge die noch zu machen sind, dass es mir definitiv nicht langweilig werden wird. Es gibt noch viel zu erfahren und es bleibt spannend.

Wenn du mal wieder zu Hause bist, komm doch mal in der Lausitz vorbei. Von Jena bis zu uns sind es nur 300 Kilometer…

300? Na das ist ja genau die magische Grenze, die meine Freunde und ich als nächstes durchbrechen wollen. Dann bezieht schon mal das Gästebett.

Danke Frank, weiterhin viele schöne Erlebnisse in Neuseeland und auf jeder Etappe: Komm gesund ins Ziel! Hab vielen Dank!

Es war mir eine Freude!

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