Eine herrliche Zeit! – Interview mit Nadin zu ihrem ersten Ironman

Dieses Interview ist ein Update, denn Nadin aus Berlin hat es geschafft. Am 24. Juli 2016 hat sie den Ironman Switzerland in Zürich erfolgreich absolviert. Ein halbes Jahr zuvor war die Langdistanz noch ihr größter Traum. Der Traum ist wahr geworden und darüber müssen wir sprechen.

Hallo Nadin! Herzlichen Glückwunsch, wir haben uns wahnsinnig gefreut.

Ganz vielen lieben Dank, auch für das Mitfiebern und Motivieren im Vorfeld.

Beschreib doch bitte mal die letzten Meter auf dem roten Teppich!

Es war so herrlich zu sehen, dass immer noch so viele Zuschauer im Ziel in der Sonne auf all die Athleten warteten, die auf der Strecke waren. Die Moderatoren vor dem Zielbogen freuten sich mindestens genauso wie ich, dass ich es nun endlich geschafft hatte. Wir klatschten ab und ich hörte endlich, wenn auch etwas verschwommen hinter mir im Jubel der Zuschauer genau die fünf Worte, auf die ein Athlet bei einem Ironman wartet: „Nadin, you are an Ironman!“

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Große Leistung, riesige Medaille und noch mehr Respekt! Nadin mit ihrer Finisher-Medaille beim Ironman Switzerland 2016. (Fotos auf dieser Seite mit freundlicher Erlaubnis von Olli, Eiswürfelimschuh)

Es muss etwa zwanzig Jahre her sein, dass ich eine Dokumentation über einen Triathleten gesehen hatte und nun war ich auch so eine Athletin, die diese Distanz absolviert. Es schossen mir so viele Gedanken auf diesen letzten Metern durch den Kopf. Ich realisierte das erste Mal, welche Zeit dort gleich auf der Uhr stehen würde. Gleichzeitig war ich etwas irritiert, dass es das nun schon war. Dass mehr als ein halbes Jahr Vorbereitung einfach vorbei war und ich so etwas Unfassbares, fast Unvorstellbares mitgemacht hatte.

Ironman, wie er fast nicht hätte besser laufen können

12:29:29 h – eine tolle und obendrein hübsche Zeit. Gefällt sie dir auch so gut wie uns?

Ist das nicht eine herrliche Zeit? Mal davon abgesehen, dass ich exakt eine Stunde schneller war, als die Zeit, die ich mir vorgestellt hatte. Es wäre auch absolut in Ordnung gewesen, wenn ich in 14, 15 oder 16 Stunden das Ziel erreicht hätte. Aber einfach für mich, um zu wissen, wie lang der Tag werden könnte, hatte ich 13:30h ins Auge gefasst. Dass es nun so eine hübsche Zeit wurde, ist das i-Tüpfelchen für einen ersten Ironman, wie er fast nicht hätte besser laufen können.

Suchen wir mal nach den besonderen Momenten unterwegs. Welche ist für dich die eindrucksvollste Erinnerung von der Strecke?

Auf der Radstrecke gab es so eine herrliche Aussicht auf den Zürichsee mitten im Bergpanorma, die ich sicher nicht vergessen werde. Es gab aber einen Moment während einer Abfahrt, der für Gänsehaut sorgte. Es war wie ein 3D Film. Die Aussicht war durch einige Hügel versperrt. Während wir die lang gezogene Abfahrt herunter rasten, verschwanden plötzlich die Berge und der See lag wieder vor uns. Es ging rasant hinab und es fühlte sich einen Moment wie in einem Karussell an. Schwer zu beschreiben, aber ich konnte es nicht erwarten, in der zweiten Runde dort noch einmal entlang zu kommen.

Hast du die Schweizer Kuhglocken auf dem Rad noch gehört oder warst du voll im Tunnel?

Ich glaube, ich habe jeden einzelnen Moment ganz intensiv aufgenommen. Jede Kirchenglocke, jede Kuh, die klatschenden Helfer, das klappernde Geschirr im Vorgarten eines Hauses, wo gerade gefrühstückt wurde, die anderen Athleten, die Radsportler, die ebenfalls unterwegs waren und uns an den Anstiegen motivierten, die Aussicht,…

Absoluter Hotspot war natürlich der Heartbreak Hill in der ersten Runde. Zuschauer, Radsportler, Fotografen – alle säumten sie dicht an dicht die Straße und schoben uns förmlich mit ihrem Jubel diesen Anstieg hinauf.

Ich war nur wenige Sekunden im Tunnel, als wir einen tatsächlich durchfahren mussten. Ansonsten wollte ich einfach die Strecke genießen. Gerade bei der Radstrecke war es mir so wichtig, dass ich mich bei meinem 1. Ironman großartig unterhalten und gleichzeitig herausgefordert fühle. Ansonsten wären die 180km sicher unendlich lang geworden.

Ich habe eins nach dem anderen ganz in Ruhe absolviert

Was war der härteste Moment unterwegs? Hast du nie an Aufgeben gedacht?

Aufgeben war nicht eine Sekunde ein Thema für mich. Ich habe eins nach dem anderen ganz in Ruhe absolviert und das war die vermutlich beste Strategie, die ich für meinen ersten Ironman haben konnte. Hart war eigentlich nur das Laufen. Überraschender Weise aber nicht die letzten Kilometer, sondern die dritte Runde vom Halbmarathon bis Kilometer 32. Da rollte ich dann schon das ein oder andere Mal mit den Augen und hätte gern immer und immer wieder gefragt, ob wir nicht bald da sind. Es war aber mehr eine Sache des Kopfes als körperliche Müdigkeit.

Was hat dich da ins Rennen zurückgebracht?

Einfach die Tatsache, dass das Ziel wirklich zum Greifen nah war und selbst wenn ich beschließen würde, nur noch zu gehen, wie so viele andere Athleten, würde ich das Ziel sicher im Zeitlimit erreichen.

Wie ist der neue Schwimmstart? Zürich verzichtet auf den Massenstart und lässt die Athleten in Wellen ins Wasser.

Der Start als solcher war unglaublich entspannt. Die Helfer schicken jeden einzelnen Athleten mit einem Lächeln auf die Strecke und man geht einfach ins Wasser. Aber schon nach wenigen Metern begann für mich das Chaos.

Als Frau hat man bei den meisten Wettkämpfen immer den Vorteil, dass man in einem recht kleinen Startblock allein mit Frauen oder mit Senioren starten kann. Das ist an sich eine tolle Lösung und es gab für mich nur ganz wenige Wettkämpfe, bei denen ich mit diesen Starts negative Erfahrungen gesammelt habe. Das einzige, was dabei passieren kann ist, dass die schnelleren Männer irgendwann von hinten angerauscht kommen und einen übersehen. Beim rollenden Start waren wir Damen nun aber in der großen Masse unterwegs. Der erste Kilometer war so unentspannt wie noch nie für mich. Nicht jeder schien sich seinem Können entsprechend eingeordnet zu haben. So staute sich immer mal wieder alles. Ich schwamm auf Brustschwimmer auf und wurde immer wieder ausgebremst. Das änderte sich erst langsam nach etwa einem Kilometer.

…dass Anke und ich die letzten Monate alles richtig gemacht haben.

Wie kontrollierst du unterwegs dein Rennen, bzw. deine Pace? – Hat das gut geklappt?

Ich hatte bei diesem Wettkampf nicht wirklich eine Strategie. Das Schwimmen wollte ich so zügig es ging absolvieren. Auf der Radstrecke hatte ich „nur“ eine Ernährungsstrategie, die sehr gut aufging. Hinsichtlich der Geschwindigkeit versuchte ich auf den flachen Passagen mit Druck zu fahren und bei den Abfahrten so wenig es ging zu bremsen. Das ließ sich auch sehr gut umsetzen. Die Berganpassagen versuchte ich zu genießen, zügig zu fahren, aber auch nicht zu viel Kraft zu investieren. Ich wollte ja noch laufen… Die einzige Strategie auf der Laufstrecke war, mich ordentlich zu verpflegen und mir ruhig an den Verpflegungspunkten Zeit zu lassen. So konnte ich auch recht locker die Strecken dazwischen laufen.

Anke und ich haben – wie viele andere –  den ganzen Tag an dich gedacht und sehr gelitten, weil wir im Trainingslager keinen Zugriff  auf den Athlete-Tracker und somit keine Zwischenzeiten oder Streckeninfos hatten. Ich sage dir, Krämpfe in den Daumen… In welchen Momenten musstest du an deine Trainerin denken?

An die vielen Unterstützer habe ich zwischendrin auch immer wieder gedacht. Das treibt ordentlich an. So viel kann ich sagen, und ich bin unheimlich dankbar für die ganze Unterstützung! Kurz vor Ende jeder einzelnen Disziplin habe ich mir immer gesagt, dass Anke und ich die letzten Monate alles richtig gemacht haben. Nicht zu vergessen natürlich, dass ihr mir den Zeitraum und auch diesen Wettkampf ans Herz gelegt habt. Einen besseren kann man mit Sicherheit für seinen ersten Ironman nicht aussuchen.

 Sind die Schweizer Berge wirklich etwas für Langdistanz-Einsteigerinnen?

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Din im Ziel!

Ich kann den Ironman Switzerland wirklich nur jedem Triathleten ans Herz legen. Erst recht, wenn es die erste Langdistanz sein soll. Neben der sehr guten Organisation ist die Strecke so attraktiv, dass sich mit Sicherheit jeder gut unterhalten fühlt. Außerdem ist sie auch für Anfänger sehr gut machbar, trotz der gut 1500 Höhenmeter auf der Radstrecke. Wer schon häufiger in Bergen trainieren konnte und auch schon mal die eine oder andere Abfahrt genommen hat, wird auch dabei keine Probleme haben. Ich kannte die Radstrecke nur von Erzählungen, hatte mir einige Tipps von euch und Athleten aus Zürich eingeholt. So war es auch nicht von Nachteil, dass ich mir die Strecke vorher nicht angeschaut hatte.

Die neue  Schwimm- und Laufstrecke ist ebenfalls sehr attraktiv. Das Schwimmen fällt, bis auf den Anfang, sehr leicht. Es gibt keinen Ausstieg nach der Hälfte, so dass man gut in seinem Rhythmus bleibt, wenn man ihn erst einmal gefunden hat.

Auf der Laufstrecke lernt man die Altstadt von Zürich richtig gut kennen. Bis auf wenige Meter stehen überall Zuschauer, die dich beim Laufen immer wieder antreiben.

Wohin führt der nächste Trainingszyklus?

Jetzt gibt es einen kleinen Abschnitt, der mich fit für den BerlinMan macht. Zwischendrin werde ich noch mit dem Twitterlauftreff in Berlin an einer Mauerwegsstaffel teilnehmen. Auf beides freue ich mich schon sehr. Anschließend nehme ich mir wie jedes Jahr einige Wochen Zeit, um über die Saison und neue Ziele nachzudenken. In dieser Zeit werde ich, sofern es sich zeitlich einrichten lässt, an kleineren lokalen Läufen teilnehmen.

Ich danke euch, für diese interessanten Fragen und die Motivation, das auch alles so durchzuziehen, wie wir es gemeinsam geplant haben!

Dankeschön, Nadin für das Interview und dass wir dich im Training begleiten dürfen! Wir haben großen Respekt vor deiner Leistung.

4 Gedanken zu “Eine herrliche Zeit! – Interview mit Nadin zu ihrem ersten Ironman”

  1. Es ist immer wieder eine Freude, eure Fragen zu beantworten. Hat wie immer Spaß gemacht, so wie das Training und der Ironman. Ich freue mich auf mehr und natürlich jetzt auf den weiteren Verlauf meiner Saison.

    Lieben Dank, @Christiane!

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