Die Tipps der Lebensretter: Was Wasserretter zu „Freischwimmer“ sagen

Unsere Podcastfolge „Freischwimmer“ hat Kreise gezogen. Für die Recherche haben wir Wasserrettungs- und Schwimmverbände gefragt, welche Botschaft sie Freiwasserschwimmern und Triathleten unbedingt mitgeben möchten.

Geantwortet haben uns Experten der DLRG aus mehreren Bundesländern, die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG, die Österreichische Wasserrettung und der Deutsche Schwimmverband. Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen dabei nicht nur Sicherheitstipps, sondern auch viel Zuspruch dafür, das Thema im Plauder Pace Podcast aufzugreifen.

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Professionelle Lebensretter: Eigenverantwortung ist der Schlüssel.

Die wichtigsten Antworten der Lebensretter haben wir hier zusammengefasst.

Dieses wichtige Thema im Podcast

Von der DLRG Sachsen kam zunächst eine Rückmeldung, über die wir uns besonders gefreut haben. Der Verband begrüßt ausdrücklich, dass Wassersicherheit Thema unserer Folge ist:

Es freut uns sehr, dass mit der Sendung dazu beigetragen wird, die Öffentlichkeit für die Gefahren im und am Wasser zu sensibilisieren und damit auch die Arbeit der Wasserretter zu unterstützen.

Die wichtigsten Empfehlungen dazu sind ebenso klar: möglichst bewachte Badestellen nutzen, die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen, nicht alkoholisiert schwimmen, den Körper nach starker Sonneneinstrahlung langsam ans Wasser gewöhnen und Wetter, Strömungen, Wind und Wellen ernst nehmen. Wer im Freiwasser unterwegs ist, sollte möglichst nicht allein schwimmen und andere über seine geplante Strecke informieren.

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Vieles davon klingt selbstverständlich. Genau darin liegt jedoch die Gefahr: Im Training verlassen wir uns schnell auf unsere Erfahrung und Leistungsfähigkeit.

Du bist die Aufsicht

Michael Hohmann, Präsident des DLRG-Landesverbandes Hessen, schickte uns einen Satz, der hängen bleibt:

Du bist die Aufsicht!

Damit meint er Verantwortung nicht nur für sich selbst. Wer schwimmt, sollte auch wahrnehmen, was um ihn herum passiert.

Für Triathleten und Langstreckenschwimmer nennt die DLRG Hessen außerdem zwei ganz konkrete Punkte: Andere sollten wissen, wo man schwimmen geht, und für die Eigensicherung empfiehlt sich eine Auftriebshilfe.

Bemerkenswert ist noch ein anderer Hinweis aus Hessen: Schwimmabzeichen sind nicht nur etwas für Kinder. Sie können auch Erwachsene nutzen, um die eigene Schwimmfähigkeit realistisch einzuschätzen – und jederzeit wiederholen.

Die Schweizer Lebensretter warnen vor einem Denkfehler

Besonders ausführlich antwortete uns Christoph Merki von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG.

Seine wichtigste Botschaft richtet sich ziemlich direkt an sportliche Schwimmer:

Gute Schwimmfähigkeit allein schützt nicht vor dem Ertrinken.

Denn Kondition und Technik sind nur ein Teil der Gleichung. Kälte, Erschöpfung, gesundheitliche Probleme oder ungünstige Bedingungen können auch einen sehr guten Schwimmer in Schwierigkeiten bringen.

Deshalb rät die SLRG unter anderem dazu, nicht allein zu schwimmen, lieber entlang des Ufers als weit hinaus in den See zu trainieren und lokale Bedingungen vor dem Einstieg zu prüfen. Eine Schwimmboje erhöht die Sichtbarkeit und kann bei Erschöpfung oder einem Krampf zusätzlichen Auftrieb bieten. Sie ersetzt aber weder Vorsicht noch Schwimmkompetenz.

Merkis Fazit könnte genauso gut ein Trainingsgrundsatz sein:

Eigenverantwortung, Risikobewusstsein und einfache Sicherheitsmaßnahmen sind oft wichtiger als reine Schwimmleistung.

Servus aus Österreich: Immer Reserven für den Rückweg

Auch die Österreichische Wasserrettung Kärnten unterstützte unsere Initiative. Und ihre Antwort richtet sich ebenfalls ausdrücklich nicht nur an Anfänger.

Die Baderegeln gelten für alle Altersgruppen. Gerade Erwachsene überschätzen laut ÖWR immer wieder ihre Fähigkeiten oder unterschätzen Risiken. Für Freiwasserschwimmer folgt daraus ein sehr praktischer Tipp:

Immer ausreichend Kraftreserven für den Rückweg einplanen.

Dazu kommen Sichtbarkeit durch eine möglichst auffällige Schwimmboje, Vorsicht in unbekannten Gewässern und ein genauer Blick auf Wetter, Wind und Sturmwarnungen. Bei aufziehendem Gewitter oder Starkwind gehört das Training beendet – auch weil eine spätere Rettungsaktion die Einsatzkräfte selbst gefährden kann.

Und wenn doch etwas passiert?

Bei Problemen Ruhe bewahren. Auf den Rücken drehen, durchatmen, Aufmerksamkeit erregen und Hilfe anfordern.

Ein Satz, den man sich tatsächlich schon vor der nächsten Einheit merken sollte.

Der Deutsche Schwimmverband: Denk an deine Tagesform

Auch vom Deutschen Schwimmverband kamen Hinweise speziell für sportliche Schwimmer.

Neben der eigenen Schwimmfähigkeit sollte man immer auch die Tagesform realistisch einschätzen. Niemand sollte allein schwimmen gehen, die geplante Strecke sollte bekannt sein und eine Schwimmboje gehört zu den empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen.

Für Triathleten besonders interessant: Nach einer Lauf- oder Radeinheit sollte der aufgeheizte Körper zunächst abgekühlt werden, bevor es ins kalte Wasser geht. Außerdem sollte man die Bedingungen vor Ort kennen – von Strömungen und Wassertiefen über Temperaturunterschiede bis zu möglichen Notausstiegen und Schiffsverkehr.

Trainerin Anke Stefaniak
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Anke Stefaniak, Sportwissenschaftlerin und MyGoal Training Gründerin

Was uns an den Antworten auffällt

Deutschland, Österreich, Schweiz. DLRG, SLRG, Wasserrettung und Schwimmverband. Die Antworten kamen unabhängig voneinander – und trotzdem wiederholen sich dieselben Punkte erstaunlich oft:

Überschätze dich nicht. Schwimme möglichst nicht allein. Kenne dein Gewässer. Bleib sichtbar. Unterschätze Kälte und Wetter nicht. Plane Reserven ein. Und behalte auch die Menschen um dich herum im Blick.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Ergänzung zu Trainingsplänen, Pace und Technik: Je erfahrener wir werden, desto selbstverständlicher erscheint uns vieles. Wasser bleibt trotzdem eine Umgebung, in der sich Bedingungen sehr schnell ändern können.

Die Österreichische Wasserrettung formuliert das Ziel ihrer Arbeit wunderbar einfach:

Jeder Mensch soll nach einem schönen Tag am Wasser wieder sicher nach Hause kommen.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Podcast: "Freischwimmer"

Warum lernen immer weniger Kinder richtig schwimmen? Was bedeutet es eigentlich, sicher schwimmen zu können? Und warum ist Freiwasser für uns Triathleten mehr als nur ein Schwimmbecken ohne Beckenrand?

Darüber sprechen Anke und Mathias in „Freischwimmer“, einer Folge des Plauder Pace Podcasts.

Und spätestens nach den Antworten der Wasserretter wissen wir: Über Schwimmen zu sprechen, heißt auch über Sicherheit zu sprechen. Wir bedanken uns für die Unterstützung.

Komm gesund ins Ziel!

Image Credits: Adobe Stock, New Africa

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